Best Practice der muskuloskelettalen Schmerzbehandlung – 11 Tipps von Down Under

Die Behandlung von Patient*innen mit Schmerzen des Bewegungsapparats hat mit einer Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen. Zu den verbreitetsten zählen ein übermäßiger Einsatz bildgebender Verfahren, zu viele operative Eingriffe, zu häufig verordnete Opioide und zu wenig Schulung für die Patient*innen.

Eine Gruppe von Forscher*innen, angeführt von Dr. Ivan Lin von der University of Western Australia in Geraldton, hat sich einen systematischen Überblick über die (englischsprachigen) Leitlinien zu Indikationen im Bereich muskuloskelettaler Schmerzen verschafft.

Elf über die verschiedenen muskuloskelettalen Schmerzerkrankungen hinweg übereinstimmende Empfehlungen haben Lin und Kolleg*innen publiziert. Sie sollen helfen, das Management muskuloskelettaler Schmerzen zu vereinheitlichen und zu verbessern.

Vier Leitlinien beschäftigten sich mit Kreuzschmerzen, vier mit Arthrose-, zwei mit Nacken- und eine mit Schulterschmerzen.

Die elf Tipps von Down Under bei Schmerzen lauten:

  • Ein Haupt-Augenmerk ist auf körperliche Aktivität respektive sportliche Betätigung zu legen.
  • Die Behandlung sollte es Patient*innen mit muskuloskelettalen Schmerzen erleichtern, ihrer Arbeit weiter nachzugehen oder sie wieder aufzunehmen.
  • Die Versorgung sollte patientenzentriert vonstatten gehen. Dazu gehört, den individuellen Kontext einzubeziehen, verständlich zu kommunizieren und Entscheidungen zusammen mit den Patient*innen zu treffen.
  • Patient*innen sollten systematisch gescreent werden, um jene zu identifizieren, die eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine ernste Pathologie beziehungsweise Alarmsymptome (zum Beispiel schwere neurologische Defizite, maskierte Malignome oder Aortenaneurysmen) aufweisen.
  • Psychosoziale Faktoren müssen mit beurteilt werden, etwa um Depressionen und Ängste zu erkennen.
  • Von Bildgebung ist abzuraten, es sei denn es besteht der Verdacht auf eine ernste Erkrankung, die konservative Therapie schlägt unzureichend an oder Zeichen und Beschwerden verschlechtern sich auf unerklärliche Weise, oder es ist zu erwarten, dass die Befunde die Versorgung verändern.
  • Die Patient*innen sind körperlich zu untersuchen, ein neurologischer Status muss erhoben, die Mobilität und Muskelkraft geprüft werden.
  • Der Verlauf sollte evaluiert werden, am besten mit validierten Fragebogeninstrumenten, mit denen Erholungstendenzen, Schmerzen, Funktionalität im Alltag und Lebensqualität abgeschätzt werden können.
  • Patient*innen sind zu schulen, um sie zum Selbstmanagement zu ermutigen beziehungsweise zu informieren, um sie über ihre Erkrankung ins Bild zu setzen.
  • Manuelle Medizin sollte, wenn überhaupt, nur zusätzlich zu evidenzbasierter Therapie eingesetzt werden.
  • Am Stand des Wissens orientierte konservative Versorgung sollte den Vorzug vor chirurgischem Eingreifen erhalten – es sei denn, es liegt eine spezielle Indikation für die operative Therapie vor, etwa Alarmsymptome.

Hier ist der Link zur Original Publikation: Br J Sports Med 2019, online 2. März

What does best practice care for musculoskeletal pain look like?

Eleven consistent recommendations from high-quality clinical practice guidelines: systematic review

Abstract

Objectives To identify common recommendations for high-quality care for the most common musculoskeletal (MSK) pain sites encountered by clinicians in emergency and primary care (spinal (lumbar, thoracic and cervical), hip/knee (including osteoarthritis [OA] and shoulder) from contemporary, high-quality clinical practice guidelines (CPGs).

Design Systematic review, critical appraisal and narrative synthesis of MSK pain CPG recommendations.

 

 

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